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Phar-Mann-zeutika und die Story von Viagra

Seit der Markteinführung im Jahr 1998 ist Viagra, das weltweit führende Medikament gegen Erektionsstörungen beim Mann, so omnipräsent und beliebt, dass das US-Militär etwa 41,6 Millionen Dollar im Jahr dafür bereitstellt und jedes Jahr fast 8 Millionen Rezepte dafür ausgestellt werden. 

Aber waren Forscher wirklich auf der Suche nach einem Allheilmittel für Erektionsstörungen, als sie ihre Studien durchführten? Nope!

Sildenafil, der chemische Wirkstoff in Viagra, sollte ursprünglich ein Medikament gegen Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. In den ersten Testphasen an Tieren schien das Medikament gut zu funktionieren, ohne größere negative Nebenwirkungen zu erzeugen. Sildenafil ging also in die nächste Runde, in der das Medikament an Menschen getestet wird. Die Dinge liefen eigentlich ganz reibungslos, bis die Krankenschwestern etwas Seltsames bemerkten...

Fast alle Versuchspersonen lagen auf dem Bauch, als die Krankenschwestern nach den Probanden schauten. Wir können uns ja denken warum: Die Herrschaften hatten eine massive Erektion, die ihnen offensichtlich ein wenig unangenehm war. Aber das Interessante ist nicht die Erektion - sondern der erste Satz dieses Absatzes: "Fast alle Versuchspersonen".

Es handelte sich nämlich hauptsächlich um Männer. 

Leider ist dies in der Pharmazie weit verbreitet: Männer dominieren die Anzahl der Probanden in klinischen Studien. Ohne die Überzahl an männlichen Probanden wäre Viagra gar nicht „entdeckt“ worden. Aber warum sind Frauen in klinischen Studien unterrepräsentiert?

Der weibliche Körper wird als "zu komplex, variabel und kostspielig" für klinische Studien angesehen, da die Hormone während des weiblichen Zyklus schwanken.

Wenn Frauen überhaupt in Studien einbezogen werden, dann vor allem in der frühen Anfangsphase des weiblichen Zyklus. Also genau dann, wenn die Hormonlevel am niedrigsten sind und ihr Körper dem eines Mannes sozusagen am ähnlichsten ist. Sogar bei den Tierversuchen sind die meisten der getesteten Tiere männlich. 

Man sollte meinen, dass es heutzutage anders abläuft. Zumal die FDA als zweithäufigsten Grund für eine unerwünschte Arzneimittelwirkung bei Frauen "simply not working“ angibt (auch wenn das gleiche Medikament bei Männern eindeutig die beabsichtigte Wirkung hat). Aber auch heute noch sind Frauen als Probandinnen in klinischen Studien stark unterrepräsentiert. Eine Auswertung der öffentlichen Bewertungsberichte der europäischen Arzneimittelbehörde EMA ergab, dass die Hälfte der 2018 und 2019 neu zugelassenen Arzneimittel an Versuchsgruppen getestet wurde, die zu weniger als 50 Prozent aus Frauen bestanden. 

Es ist längst überfällig, mehr Frauen in klinische Studien einzubeziehen und dafür zu sorgen, dass diese Medikamente auch für uns funktionieren. Wir von der Femacy wollen langfristig dieses Gender Health Gap schließen, indem wir das Bewusstsein für Frauengesundheit schärfen und auf die Vorurteile und Ungleichheiten aufmerksam machen, denen Frauen und alle, die sich als Frau identifizieren, ausgesetzt sind.

* Ach und BTW: Als es hieß, dass Viagra nun auch an Frauen getestet werden soll, um herauszufinden, ob es als Medikament gegen Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen wirksam ist, ist schlichtweg das Geld ausgegangen. Thanks for nothing!

 

Quellen: 

“Invisible women. Exposing data bias in a world designed for men.”, Caroline Criado Perez, 2019

“The Rise of Viagra: How the Little Blue Pill Changed Sex in America", Meika Loe, 2004

“FDA approves Viagra” HISTORY.com Editors, 2009

Foley, Katherine Ellen. “Viagra's Famously Surprising Origin Story Is Actually a Pretty Common Way to Find New Drugs.” Quartz, Quartz

Miller, Korin. “​You Won't Believe How Much the U.S. Military Spends Each Year on Viagra.” Men's Health, Men's Health, 25 Feb. 2019

Spektrum, “Die Medizin muss weiblicher werden”, 2020 

 

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