Direkt zum Inhalt

Tampons, Binden und Bling-Bling

Polierter Sportwagen, glitzernde Diamantkette und vergoldete Zähne: Musiker*innen zeigen in ihren Videos nicht nur gerne, was sie künstlerisch draufhaben, sondern auch auf ihrem Konto. Je mehr Bling-Bling desto besser, denn Statussymbole sind gut für die Streetcredibility. 

Doch was ist, wenn nicht der Tesla für den Geldbeutel spricht, sondern ein Tampon? Wenn das Tragen einer Binde die persönliche Finanzlage widerspiegelt und nicht das Tragen von Pelz?

Kaufe ich mir Hygieneprodukte oder Lebensmittel? Sobald die Periode zum Abwägen wird, spricht man von Periodenarmut. Und in gegen vieler Erwartungen gibt es diese auch in Nationen mit verhältnismäßig vielen Sportwagen oder Diamantketten. In Deutschland beispielsweise haben etwa 100.000 menstruierende Menschen ohne Obdach- oder Wohnung zu wenig Geld, um sich Menstruationsprodukte leisten zu können. Für sie sind Tampons ein Luxusartikel. Ähnliche Zahlen kommen nach einer Studie von Plan International aus Großbritannien: Dort kann sich eine von 10 minderjährigen Menstruierenden keine Periodenprodukte leisten. Das führt dazu, dass sich viele von ihnen während der Periode gegen den schamvollen Besuch der Schule entscheiden. Darunter leiden nicht nur die Noten, sondern auch das Selbstbewusstsein tausender junger Menstruierender.

Das Tabu um die Monatsblutung macht die Bekämpfung der Periodenarmut also nicht leichter. In Deutschland hat nur jede fünfte menstruierende Person schon einmal mit der_m Partner*in über die Periode gesprochen. Tampons werden bei Bedarf immer noch aus der Tasche geschmuggelt wie Drogen, damit sie ja niemand sieht. Doch, sobald wir als Gesellschaft anfangen das Schweigen über die Periode zu brechen, können wir es auch schaffen die Periodenarmut zu bekämpfen.

Während in Deutschland noch Unterschriften für ein ähnliches Modell gesammelt werden, hat Schottland 2020 als erstes Land der Welt mit einem Gesetz auf die Periodenarmut reagiert: Lokale Behörden und öffentliche Gebäude sind dazu verpflichtet, Menstruationsartikel unentgeltlich bereitzustellen. Einer Prognose zufolge werden damit etwa 18.800 Menstruierende mit niedrigem Einkommen erreicht.

Der Berliner Verein Social Period e.V. wartet nicht, bis die deutsche Politik nachzieht und setzt sich deshalb für frei zugängliche Tampons- und Binden für obdach- und wohnungslose Menstruierende durch Einkaufsspenden ein. Die gesammelten Periodenprodukte werden von ehrenamtlichen Helfer*innen direkt in Übernachtungsstellen und Notunterkünfte gebracht. Die hohe Nachfrage bestätigt dabei den Bedarf zum Handeln.

Jedes Projekt, jedes Engagement, jede Aufklärungsarbeit und jedes offene Gespräch rund um die Periode trägt dazu bei, dass Menstruationsartikel bald für niemanden mehr ein Luxusartikel sein müssen. Ein Ziel, bei dem wir alle mithelfen können und das für unsere Gesellschaft wertvoller wäre, als es jede Diamantenkette jemals sein könnte. 

Schau in unserem Shop vorbei, wir haben ein paar Periodenprodukte für dich getestet und zusammengestellt, die sich sozial engagieren!

Autor: Jakob Leitenmeier
CEO and Founder of TAMTAM – a label for unisex tampon fashion to celebrate the period.

 

Quellen: Plan UK Org ; Social Period Org ; Borgen Project ; Stern


Petition für frei zugängliche Periodenprodukte in Deutschland: Change Org

Älterer Post Neuerer Post

Was sind deine wichtigsten Gesundheits- und Wellness-Ziele für deine Periode?

Wähle so viele aus, wie du möchtest

Schau, was wir für dich haben